meine erste Woche in Amerika liegt nun hinter mir. Es kommt mir aber schon viel länger vor. Heute ist Sonntag und ich muss mich erst mal um die vielen Assignments von der Uni kümmern. Eigentlich bin ich ziemlich unmotiviert, aber das Wetter zur Zeit ist sowieso nicht so schön. Außerdem sind alle meine Roommates heute nicht da, weil sie über das Wochenende zu Hause sind. Morgen ist hier Labour Day. Ich hab noch nicht so ganz herausgefunden, was das ist, aber ich glaube, dass das einfach das amerikanische Äquivalent zum 1. Mai bei uns ist. Auf jeden Fall habe ich morgen keine Uni :)
Am Donnerstag, dem Thirsty Thursday, wollten Angelika (eine deutsche Austauschstudentin aus Konstanz) und ich uns mal das Partyleben um den Campus herum anschauen. New Britain hat da allerdings nicht viel zu bieten (es gibt genau eine Bar und keinen einzigen Club). Deshalb schmeißen hier die älteren Studenten, die off-campus leben, öfters Parties. Allgemein ist dieses Hausparty-Phänomen hier sehr viel weiter verbreitet als bei uns. Zuerst waren wir auf dem Vorplatz von ein paar Appartments, in denen wohl so eine Party hätte stattfinden sollen, doch die Campus-Polizei hat alles ziemlich schnell aufgelöst, weil a) der Großteil der Gäste underaged (also unter 21) war und b) das Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit hier überhaupt nicht erlaubt ist. Auf dem Rückweg zu Angelika haben wir dann ein paar Jungs getroffen, die uns zu einer Verbindungsparty eingeladen haben. Da wir sowieso nichts anderes vorhatten, sind wir mitgegangen. Und ich muss sagen, dass wir das nicht bereut haben. Es war genau so, wie man es aus Filmen kennt: die roten Becher, die Bierfässer, die Trinkspiele inklusive Alkoholschlauch, das Haus der Studentenverbindung an sich etc. Das verrückteste an der Party war, dass alle Leute Togas anhatten - oder zumindest irgendein Bettlaken, Handtuch etc. dazu umfunktioniert hatten. Obwohl wir nicht dem Dresscode entsprachen, wurden wir von allen Seiten freudig begrüßt und uns wurde auch gleich mehrfach etwas zu trinken angeboten. Dabei war unser größter Vorteil, dass wir weiblich sin: Mädchen hier müssen allgemein für nichts bezahlen, zumindest kommt es mir so vor. Während die männlichen Partygäste alle 20$ Eintritt bezahlen mussten, wurden wir einfach durchgewinkt. Auch unsere Becher wurden - solange wir das wollten - immer schön aufgefüllt, ohne irgendwie dafür bezahlen zu müssen (und ich muss sagen, dass das amerikanische Bier zwar nicht an das deutsche Bier rankommt, aber auch lange nicht so schrecklich ist wie z.B. das schwedische Bier). Am Anfang waren wir ein bisschen skeptisch, aber Sky, die Freundin des Gastgebers, hat uns aufgeklärt, dass man in den USA als Mädchen prinzipiell nicht selbst für seine Getränke bezahlt und dass da nicht mal ein Hintergedanke dahintersteckt. Allgemein ist mir diese extreme Höflichkeit schon öfter aufgefallen, dazu später mehr. Hier mal ein paar Fotos, damit ihr euch das ganze besser vorstellen könnt:
| Angelika, ich und Sky |
| Der klassische rote Trinkbecher (die gibts übrigens in jeder erdenklichen Farbe, nicht nur in rot) |
So, dass war also unser erster Thirsty Thursday hier. Der Freitag war ziemlich gechillt. Ich war total motiviert, ins Fitness-Studio zu gehen, aber das direkt neben meinem Wohnheim hatte dann zu und ich hatte keine Lust, up the hill zum nächsten Fitnessstudio zu laufen. Dann eben kein Fitness für mich. Abends wollten wir in eine Shishabar gehen, aber da eine meiner roommates noch keine 18 ist, sind wir nicht reingekommen. Wir haben uns die Zeit dann eben auf dem Campus vertrieben, was auch lustig war.
Gestern war ich mit Laura (ebenfalls eine Deutsche, sie studiert eigentlich in Freiburg) bei einem BBQ ihrer Nachbarn (und deren total süßen Hund). Das war auch ganz witzig, aber leider hat es geregnet, sodass es kein "typisches" BBQ war. Was mir allerdings aufgefallen ist: hier werden ganz andere Sachen gegrillt als bei uns. Während es bei mir zuhause meistens Steaks, Würstchen und Hähnchen gibt, gibt es hier Burger oder Hotdogs. Aber es hat trotzdem gut geschmeckt :) Danach war ich mit Angelika in der Mall. Die ist ziemlich cool. Es gibt da so alles, was man sich wünscht: H&M, Forever21, Urban Outfitters, Victoria's Secret, Sephora usw. Ich habe auch ziemlich viel gekauft (bei Urban Outfitters war Sale!). Wir waren auch bei Hollister und obwohl ich mir geschworen hab, den Laden zu boykotieren, konnte ich bei einem Pulli nicht wiederstehen (auch, weil es an diesem Labour Day Weekend 40% auf alles gab). Was mich gewundert hat: ich passe hier locker in die Größe S, während ich in Deutschland bei Hollister immer L brauche. Irgendwie fallen die Sachen hier leicht anders aus. Ich habe jetzt auch endlich eine amerikanische Handynummer. Das war ein ziemlicher Kampf, weil irgendwie das Internet nicht so richtig funktionieren wollte und die bei AT&T auch nicht so ganz wussten, wo das Problem liegt. Ich habe dann gestern Abend ein bisschen gegoogelt und das Problem selbst lösen können. Falls einer von euch Auslandsstudenten ebenfalls das Problem hat, dass sich das Handy nicht mit dem Internet verbinden kann, sollte mal das hier ausprobieren: http://www.techstage.de/ratgeber/iPhone-Auslands-Prepaid-SIM-APN-Einstellung-aendern-1810696.html Bei mir hat es jedenfalls geholfen und ich habe jetzt auch endlich in meinem Zimmer (wo mein Handy irgendwie nicht auf das Wifi zugreifen konnte) Internet. Hier gibt es sogar 4G und nicht nur 3G wie daheim, d.h. das Internet hier ist schneller (und verbraucht vermutlich auch mehr Akku, aber hey, was solls).
| Capone hatte auch Hunger - hat aber trotzdem nichts vom Grill bekommen. |
Nach einer Woche sind mir jetzt hier auch schon mehrere Sachen aufgefallen, die ich so irgendwie nicht erwartet habe. Zum einen ist es das Verhätlnis der Amerikaner zu ihren Autos. Ohne Auto geht hier nämlich irgendwie nichts. Das liegt daran, dass die Geschäfte und Restaurants meistens ziemlich außerhalb der Städte sind und man da zu Fuß einfach wirklich nicht hinkommt. Innenstädte, wie wir sie in Deutschland gewöhnt sind, findet man hier hier (bis auf in den Großstädten) kaum. Hier in New Britain gibt es zwar auch Busse, aber ich wage mal zu behaupten, dass selbst Klingenhof besser mit Weinsberg vernetzt ist als New Britain (das immerhin 70.000 Einwohner hat) mit der Außenwelt. Immerhin exisitiert das Busnetz überhaupt und ich denke, dass ich damit relativ gut klarkommen werde, weil a) eigentlich alles, was man braucht, sowieso schon auf dem Campus ist und b) eigentlich jeder hier ein Auto hat und einen mitnehmen kann. Hier hat nicht nur eigentlich jeder ein Auto, nein, es wird auch für jede Strecke benutzt. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, für JEDE Strecke. In Amerika bewegt man sich nicht zu Fuß fort. Selbst wenn man nur zum Bäcker um die Ecke will, setzt man sich ins Auto und fährt los. Am Mittwochabend wollten wir noch kurz zum Supermarkt, der (ich habe extra auf Google Maps nachgeschaut) 0,4 Meilen (also ungefähr 500 Meter) von unserem Wohnheim wegliegt - und meine Roommates wollten das Auto nehmen. Ich war so schockiert, vor allem, weil wir nichts schweres, sondern nur ein paar Chips kaufen wollten. Als wir gestern zur Mall sind, haben Angelikas Roommates darauf bestanden, uns dorthin zu fahren, obwohl ein Bus genau vor der Uni hält und direkt zur Mall fährt. Achja, abgeholt haben sie uns dann auch noch (dass der Bus genau zu dieser Zeit auch zurückgefahren ist, muss ich wohl nicht erwähnen..).
Ansonsten ist mir aufgefallen, wie höflich hier alle sind. Selbst auf dem Campus wird dir immer die Tür oder der Aufzug aufgehalten. Gestern beim BBQ wurden wir gefragt, was wir trinken wollen. Da sie keine Diet Coke da hatten, ist einer der Gastgeber trotz unseres Protest sofort zum nächsten Store gegangen (äh, ich meine natürlich gefahren) und hat sie uns besorgt. Als ich vom Pool letztens abends heimgelaufen bin (nichtmal 500 Meter über den gut beleuchteten und belebten Campus) wurde ich von zwei Jungs angesprochen, ob sie mich nach Hause begleiten sollen. Und so weiter..
Als Ausländer in den USA fühle ich mich hier zwar schon, aber ich habe nicht das Gefühl, dass das ein Nachteil ist. Wirklich alle Leute, mit denen ich bisher gesprochen habe, sind äußerst interessiert und wollen genau wissen, wie es einem hier gefällt (ja, alles ist neu und aufregend, aber bisher gefällt es mir gut), was die größten Unterschiede hier zu Deutschland sind (allgemein sind die Sachen viel kleiner in Deutschland und unsere Gesetze bezüglich Alkohol sind doch um einiges lockerer) oder was man an zu Hause am meisten vermisst (Freunde, Familie und Laugenbrötchen). Das liegt daran, dass viele Amerikaner in meinem Alter die USA noch nie verlassen haben und Europa nur vom Hörensagen kennen. Diejenigen, die aber schon mal in Deutschland waren, erzählen immer, wie sehr es ihnen gefallen hat (ob das nun stimmt oder das nur pure Höflichkeit ist, kann ich nicht sagen^^). Wenn ich dann frage, welche Stadt ihnen am besten gefallen hat, kommt überraschend oft nicht Berlin oder München als Antwort, sondern Düsseldorf. Ich glaube, die längste Theke der Welt hinterlässt einen großen Eindruck bei den Amerikanern ;-) Viele erzählen auch, dass sie auch ein bisschen Deutsch sind, weil ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern aus Deutschland waren.
So, jetzt sollte ich mich aber wirklich mal um mein Unizeugs kümmern. Achso, weil die Frage ziemlich oft kommt: mir geht es gut. Es ist zwar alles wirklich anders und ich glaube, das mit der Uni hier wird sehr viel Arbeit, aber alle Leute sind nett und hilfsbereit. Ihr müsst euch keine Sorgen um mich machen!
Bis bald!
xxx
Lisa
"Ich war total motiviert, ins Fitness-Studio zu gehen [...]" Guter Vorsatz Schwesterherz! xx
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