Sonntag, 29. September 2013

Warum kanns nicht perfekt sein?

Hallo ihr Lieben,

mein Wochenende hat irgendwie blöd angefangen, aber schön aufgehört. Eigentlich hatten wir hier einen Ausflug nach Cape Cod geplant. Hier an der Uni kann man Autos mieten und wir haben unsere Buchung schon vor knapp zwei Wochen gemacht, damit wir auf jeden Fall das Auto haben können, weil es nur zwei gibt und die immer relativ schnell ausgebucht sind. Gestern wollten wir uns das Auto dann mal anschauen und da stellt sich raus - unser Auto wurde gestohlen und die Verantworlichen haben das über eine Woche nicht gemerkt. Naja, kein Problem, dachten wir, nehmen wir halt das andere Auto. Tja, das andere Auto ist aber leider kaputt und die Leihfirma fühlt sich irgendwie nicht zuständig. Das Ende vom Lied ist, dass wir heute keinen Ausflug machen konnten. Meine Stimmung ist deshalb ein bisschen am Boden, weil ich mich schon so lange darauf gefreut habe, endlich etwas anderes zu sehen.

Zu allem Überfluss habe ich mich auch noch erkältet. Ich war dann in der Apotheke, um mich mit Medikamenten einzudecken. Ich habe zwar eine riesige Reiseapotheke mitgebracht, aber irgendwie das Nasenspray vergessen. Und weil ich dann schonmal in der Apotheke war, habe ich mir noch ein Medikament für nachts gekauft, das so hoch dosiert ist, dass es anscheinend in der EU nicht verkauft werden darf. Ich war auch wirklich positiv überrascht, weil ich wie ein Baby geschlafen hab und mit einer freien Nase aufgewacht bin.

Nachdem meine Mitbewohnerinnen meine leicht depressive Stimmung gestern mitbekommen haben, haben sie gleich versucht, mich aufzuheitern. Sie hatten die glorreiche Idee, zum Apple Picking zu gehen. Ich war am Anfang nicht so 100% angetan, aber ich muss sagen, wir hatten einen total schönen Tag. Anscheinend ist Apple Picking hier total beliebt und man muss mindestens einmal dagewesen sein, um den Herbst richtig erlebt zu haben. Außerdem gab es nicht nur pure Äpfel, sondern auch Apple Cider (sowas wie warmen Apfelsaft mit Karamell) und Apple Donuts.

Die ganze Crew

Die Apple Farm

Voller Körpereinsatz von Amanda und Jess, um an die schönsten Äpfel zu kommen.


Heute hat mich Anna besucht und nach einer kleinen Campusführung haben wir uns an die Planung für unsere Amerikarundreise im Winter gemacht. Ich freue mich jetzt schon total darauf, auch wenn es bedeutet, dass ich dann nicht mehr an die Uni hier zurückkommen werde.

Was gibt es sonst so neues von mir? Zum einen bin ich jetzt Mitglied im Fashion Club. Wir organisieren eine Modenschau mit einheimischen Jungdesignern und ich darf hinter den Kulissen mithelfen. Die Modenschau wird am 7. November stattfinden und ich freue mich schon total darauf.

Bis auf meinen Schnupfen geht es mir hier aber wirklich gut. Ich weiß nicht, ob ich es in einem Eintrag vorher schon erwähnt habe, aber Alyssa hat es hinbekommen, die Dusche so zu manipulieren, dass wir tatsächlich heißes Wasser haben! Damit ist sie jetzt bei uns die offizielle Shower Queen. Allgemein finde ich das WG-Leben super und würde jedem, der ein Auslandsemester macht, empfehlen, ins Wohnheim zu ziehen. Ich bin viel mit meinen Mitbewohnerinnen zusammen und man ist nie alleine, wenn man nicht will. Egal, ob man jemanden zum Reden oder zum Filmschauen braucht, es ist immer jemand da. Letzte Woche haben wir zum Beispiel ein großes Grey's Anatomy Season Premiere Watching veranstaltet oder uns abends Sushi geholt. Bei uns geht es auch immer lustig und laut zu  - so konnten zum Beispiel Kelly und Alyssa nicht fassen, dass ich keinen Middlename habe (danke Mama!) und haben sich dazu entschlossen, mir einen zu verpassen - inoffiziell heiße ich jetzt Lisa Rose und vorallem Alyssa wird nicht müde, mich so auch ihren Freunden vorzustellen.

Sushi-Night mit meinen Roomies

Neustes Event unserer Residence Hall: Cupcakes selbst dekorieren - das hat mir eindeutig besser gefallen als die Backsteine zu bemalen!

Mehr gibt es eigentlich gerade auch nicht zu erzählen - der Alltag hat Einzug gehalten und es haben sich Routinen gebildet. Bald passieren aber wieder aufregendere Sachen: Nächstes Wochenende fahren wir nach New York City und Mitte Oktober besuche ich Lena in Boston. Mitte November fliegen Lena und ich zusammen nach Orlando in die Harry Potter Welt.

xxx,
Lisa


Montag, 23. September 2013

Sein oder Nichtsein ist die Frage, die sich stellt.

Hallo ihr Lieben,

viele sonnige Grüße aus New Britain! Nachdem ich jetzt von mehreren Leuten gehört habe, dass es zuhause die letzten zwei Wochen nur geregnet hat, dachte ich, dass ich einmal mit dem wunderschönen Herbstwetter hier angeben muss ;-) Es ist zwar deutlich kühler geworden in den letzten Wochen und man merkt, dass der Sommer nun entgültig vorbei ist, aber was ich bisher vom Herbst mitbekommen habe, ist wunderschön. Eigentlich jeden Tag scheint die Sonne und die Blätter an den Bäumen ändern ihre Farbe irgendwie ständig.

Am Wochenende haben Caroline, Laura und ich einen Ausflug nach Hartford gemacht. Hartford ist die Hauptstadt von Connecticut und nimmt damit die gleiche Rolle ein wie Stuttgart für Baden-Württemberg. Zumindest theoretisch. Denn bis auf den Hauptstadt-Status haben diese zwei Städte gefühlt überhaupt nichts gemeinsam. Das liegt vor allem daran, dass die Struktur der Städte in den USA komplett anders ist als in Deutschland. Während wir gemütlich die Königstraße rauf und runter bummeln können, gibt es in den USA (bis auf in den großen Städte wie z.B. NYC) keine typischen Innenstädte. Es gibt zwar vereinzelt Restaurants und Cafés, aber der Großteil der Innenstädte wird von Bürokomplexen oder Wohnhäusern eingenommen. Das heißt, es gibt auch keine Geschäfte zum einkaufen (ab und zu findet man mal einen Supermarkt, aber das wars auch schon). Deshalb waren wir von Hartford schon etwas enttäuscht, weil wir uns von der Stadt irgendwie mehr erwartet haben. Wir sind zwar zum Connecticut River, dem größten Fluss in Connecticut, gelaufen und haben das Capitol angeschaut, aber das wars dann auch schon. Vielleicht waren wir an der falschen Ecke, aber schon meine Mitbewohnerinnen haben mir angekündigt, dass wir in Hartford nicht allzuviel zu Gesicht bekommen würden. Trotzdem war der Ausflug schön. Hier ein paar Eindrücke für euch:

Angekommen in Hartford

Hier gibt es relativ viele moderne Gebäude und kaum irgendwas, das älter ist als 100 Jahre

Connecticut River

Hartford wird auch "Insurance Capital of the World" genannt, weil hier ungefähr jede amerikanische Versicherung ihren Sitz hat (warum dann "Insurance Capital of the World" und nicht "Insurance Capital of the US" weiß ich aber auch nicht..)



Das Türmchen des Capitols


Das Capitol (ungefähr der Landtag von Connecticut)



Vor ein paar Tagen wurde hier auf dem Campus ein Gedenkgarten für die Opfer des Amoklaufs in Newtown letztes Jahr im Dezember eingeweiht. Ihr habt das bestimmt mitbekommen, dass 26 Leute an einer Grundschule erschossen wurden, darunter viele Kinder. Eins dieser Kinder war die Tochter einer Uni-Angestellten hier und deshalb (und weil Newtown nicht weit weg ist) haben mehrere Studenten diesen Garten angelegt. Das war auch ein Riesenevent und sogar nationale Fernsehsender waren hier auf dem Campus, um darüber zu berichten.



Gestern musste ich ziemlich viel für die Uni erledigen. Abends wurden wir von unserem RA (sowas wie der Leiter unseres Floors im Wohnheim) gezwungen, Backsteine zu bemalen. Im Prinzip gibt es hier nämlich sowas wie die Hausmeisterschaften bei Harry Potter. Jedes Wohnheim muss Punkte sammeln, um den Dean's Cup zu gewinnen. Und gestern mussten wir eben Backsteine bemalen. Ihr wisst ja alle, dass meine künstlerischen Fähigkeiten eher gegen Null tendieren, aber eigentlich war es dann doch ganz witzig.

Ratet, welcher meiner ist! ;-)

Danach hatten wir noch einen kleinen Game-Abend, weil hier ungefähr jeder mindestens eine Spielkonsole hat, was dazu führt, dass unsere WG im Besitz einer Wii, einer Playstation und einer X-Box ist. Wir haben sogar vier Controller, damit nicht immer nur zwei Leute spielen können.

Kelly, Alyssa, Amanda und Jess total vertieft in Mario Party

Ansonsten war das Wochenende eher ruhig, aber das ist nicht schlimm, weil die nächsten zwei Wochenenden aufregender werden :) Das heißt, für euch gibts dann auch noch mehr Fotos :)

xxx,
Lisa

Montag, 16. September 2013

Wir kamen in der Hoffnung, dass wir ein guter Gegner sind.

Hallo ihr Lieben,

am Wochenende hatte ich das Vergnügen, eine typische College-Erfahrung zu machen: ein Homecoming Football Game. Begonnen hat der Spaß schon Nachmittags. Zum traditionellen Tailgating haben wir uns alle auf dem Parkplatz vor dem Spielfeld getroffen.Tailgating, das ist sowas wie Vorglühen. Eigentlich ist der Konsum von Alkohol auf dem Campus strengstens verboten, aber bei Football Games wird da eine Ausnahme gemacht. Die einzige Regel lautet, dass man nicht direkt aus den Flaschen/Dosen trinken darf, sondern alles in Becher umfüllen muss. Warum das so ist, habe ich auch nicht kapiert, weil es ja offensichtlich ist, dass alle Alkohol trinken. Aber gut, wir wollten uns schließlich nicht mit der Campus Police anlegen. Es war auch wirklich lustig, alle waren total ausgelassen. Außerdem wurde noch gegrillt und Musik gab es auch. Es war wie eine große Party auf dem Parkplatz.


Alles in Blau, der Farbe der CCSU

Internationals: ich, Caroline, Angelika & Laura

Roommates-Bild: Alyssa, Jess, Amanda, ich & Kelly
Damit war der amüsante Teil des Tages aber dann auch vorbei. Als das Spiel angefangen hat, wurden wir von der Polizei ins Stadion gescheucht, damit wir auch ja nicht auf dem Parkplatz weitertrinken. Wir haben alle blaue Teufelshörner bekommen, weil unsere Mannschaft die Blue Devils sind.

Blue Pride

Kelly & ich
Das Spiel an sich war super langweilig. Das mag vermutlich zum einen daran liegen, dass ich die Regeln nicht verstanden habe (auch wenn meine Roommates sich wirklich allergrößte Mühe gegeben haben, sie mir nahezubringen). Zum anderen finde ich Sport bekanntermaßen ja sowieso langweilig. Beim Fußball machen die Regeln ja auch noch Sinn (und vorallem kann man da sich zumindest noch die Spieler anschauen - beim Football haben dagegen alle so komische Helme auf). Alles in einem hat sich mir der Sinn des Spieles wirklich nicht erschlossen und ich war froh, als endlich Halbzeit war und wir gehen konnten. Achja, wir haben übrigens verloren - 54 zu 21 (ich kann nicht mal abschätzen, ob das "normale" Werte sind oder ob das Spiel besonders gut oder schlecht war).

Unsere Cheerleader :) (mit silbernen Glitzer-PomPoms!)

Die Spieler rennen irgendwie immer zwischen den Linien auf dem Feld hin und her und versuchen, den Ball in so ein gelbes Gitter zu werfen

Das Stadion
Ansonsten war mein Wochenende ziemlich ruhig, weil ich viel für die Uni lesen musste. Außerdem musste ich mal wieder Wäsche waschen, was hier ein ziemliches Abenteuer ist, weil die Waschmaschinen ihre Temperatureinstellungen in Grad (oder meinetwegen auch Fahrenheit) hat, sondern man nur zwischen "cold", "warm" und "hot" auswählen kann. Ebenso beim Trockner. Leider kann einem niemand genau sagen, was welcher Temperatur entspricht, sodass ich einfach alles auf kalt wasche. In Trockner muss hier leider auch alles, weil es a) keine Möglichkeiten gibt, die Wäsche aufzuhängen und b) in den klimatisierten Zimmern sowieso nichts trocknet (mein Badeanzug "trocknet" schon seit Mittwoch vor sich hin und ist immer noch feucht).

xxx,
Lisa

Freitag, 13. September 2013

Du fühlst dich nach Zuhause an.

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch auf einen kleinen Campusrundgang mitnehmen. Erst einmal zeige ich euch mein Wohnheim. Ich wohne in der James Hall, dem (meiner Meinung nach) schönsten Studentenwohnheim auf dem Campus :) Insgesamt hat es acht Stockwerke, ich selbst wohne im Erdgeschoss. Auf jedem Stockwerk wird einem etwas geboten: es gibt Computerlabs, eine Waschküche und viele Gemeinschaftsräume mit TV, Billard und sonstigem Kram. Wir leben im Suite-Stil, das heißt, dass ich praktisch in einer WG mit drei Zimmern plus eigenem Wohnzimmer und Bad wohne. Es wird damit geworben, dass man durch das Leben in der James Hall selbstständiger werden soll, weil man selbst dafür verantwortlich ist, die Suite sauberzuhalten. Trotzdem kommt jeden zweiten Tag eine Putzfrau. Die Logik habe ich am Anfang nicht verstanden, aber nachdem die Putzfrau dar war, war mir klar, dass wir wohl trotzdem auch selbst putzen müssen. Irgenwie kriegt diese Frau es nämlich nicht hin, das Bad wirklich sauber zu putzen und manchmal kommt sie auch gar nicht erst. Dafür, dass wir aber zu sechst hier wohnen, ist es wirklich sauber, ich habe da Schlimmeres erwartet.

Der Eingang der James Hall
Die Mensawiese mit Blick auf mein Wohnheim (das hohe Gebäude in der Mitte)
Weiter geht es mit der Memorial Hall, der Mensa. Hier bin ich drei Mal täglich um zu Essen. Inzwischen habe ich mich an das Essen gewöhnt und finde es sogar richtig gut. Das liegt daran, dass wir endlich rausgefunden haben, wo man gesündere Alternativen herbekommt. So gibt es sogar immer einen Koch, der ein Gericht komplett frisch für einen kocht. Gestern hatten wir BBQ Thai Chicken, das war ein bisschen seltsam, aber vor ein paar Tagen gab es Kürbisravioli, die waren super lecker und außergewöhnlich. Auch das vegane Essen ist besser geworden. Ich esse jetzt also nicht mehr jeden Tag nur Burger oder Sandwiches, sondern ernähre mich fast abwechslungsreicher als in Mannheim. Als ich gelesen habe, dass man diesen Meal Plan braucht, wenn man im Studentenwohnheim leben will, war ich wirklich nicht angetan. Aber inzwischen habe ich mich richtig daran gewöhnt, nichts selbst machen zu müssen, sondern sich einfach hinzusetzen und zu essen^^ Vor allem das Abspülen fehlt mir so gar nicht.

Südseite der Memorial Hall
Nordseite der Memorial Hall


Hier seht ihr das Student Center. Im Student Center gibt es alles, was das Herz begehrt. Unter anderem die Post, einen Aufenthaltsraum mit Billard und Zeugs und das Informationszentrum, in dem die Mitarbeiter wirklich sehr nett sind und auf jede Frage eine Antwort parat haben. Auch Essensmöglichkeiten wie Subway und Starbucks gibt es hier. Das wichtigste im Student Center ist aber der Bookstore. Der Name ist aber ein bisschen irreführend, weil Bücher wirklich nur ein kleiner Teil des Angebots sind. Hier gibt es vom Pulli über T-Shirts bis hin zu Wasserflaschen und Stofftieren alles mit Uni-Logo. Außerdem kann man so ziemlich alles kaufen, was man für die Uni braucht. Aber es gibt auch so Sachen wie Kosmetik, Putzsachen, Internetkabel, Zeitschriften oder Snacks für Zwischendurch - eben alles, was man so während seiner Unizeit benötigen könnte.

Das Student Center, das Herz des Campus

Hier hängen übrigens auch an jeder Laterne so nette Plakate mit berühmten CCSU-Absolventen. Schön zur Motivation und so:
Und auch ein kleine Stück Deutschland habe ich hier gefunden. Das hier ist das Friedensdenkmal, an dem zum Beispiel auch am Mittwoch die Gedenkfeier zu 9/11 stattgefunden hat.


Hier seht ihr die Bib. Ich finde sie eigentlich ziemlich hübsch (zumindest von innen). Was ich aber besonders toll finde ist, dass man sich kostenlos Bücher auch von anderen Unis bestellen kann. Und man kann hier Drucken (dafür bekommt man sogar von der Uni jeden Monat zehn Dollar Druckguthaben geschenkt).

Die Bib
Ich habe auch ein paar Gebäude fotografiert, in denen der Unterricht stattfindet. Wie ihr seht, sieht hier alles ziemlich ähnlich aus. Ich finde es toll, dass alles so nahe beieinander ist und man innerhalb von 15 Minuten von einem Ende ans andere Ende des Campus laufen kann.

Robert Vance Academic Center - hier habe ich meine eine Communication Class

Das Hauptgebäude der CCSU..

... und der Haupteingang

Die obligatorische Flagge darf natürlich auch nicht fehlen, man ist hier schließlich äußerst patriotisch!
Ich hätte euch gerne noch mehr gezeigt. Vor allem die neue Social Sciences Hall ist klasse, aber auch das Planetarium, der Pool oder die ganzen Sportanlagen sind sehenswert. Aber irgendwie habe ich immer verplant, Fotos zu machen (und manchmal ist es auch einfach peinlich, sich wie der Obertourist hinzustellen und alles zu Fotografieren). Aber im Laufe der nächsten Wochen werde ich euch bestimmt noch das ein oder andere Foto zeigen :)

xxx,
Lisa


Sonntag, 8. September 2013

Der Himmel ist blau und der Rest deines Lebens liegt vor dir.

Hallo ihr Lieben,

bei schönstem Wetter habe ich heute endlich einmal einen Ausflug gemacht. Zwar ging es nur ungefähr 50 Kilometer in den Süden, aber ich bin ziemlich froh, mal von dem Campus runtergekommen zu sein (nicht, dass es mir hier nicht gefällt, es war nur schön, nach zwei Wochen mal etwas anderes zu sehen). Ich habe nämlich Anna in New Haven besucht. Zusammen mit Angelika war ich nur ungefähr 40 Minuten mit dem Greyhound (sowas wie der amerikanische MeinFernbus) unterwegs. New Haven ist sehr hübsch, was vor allem daran liegt, dass die Innenstadt von der Eliteuni Yale dominiert wird. Zwar gibt es in New Haven auch ein paar zwielichte Ecken (mehrere Connecicutianer - oder wie nennt man die Einheimischen aus Connecticut? - haben mich vor New Haven gewarnt), aber bei strahlendem Sonnenschein haben wir davon zum Glück nichts bemerkt. Das Angsteinflösenste an dem Tag war die Ampel, die mich beinahe angeschrien hat, um mir in einem äußerst uncharmenten Ton befohlen hat, doch bitte auf das Zeichen für das Überqueren der Straße zu warten. Ansonsten hatten wir einen sehr schönen Tag. Wir sind durch die Innenstadt gebummelt, haben ein bisschen geshoppt und uns einen leckeren Frozen Yoghurt gegönnt. Yale hat mir gut gefallen, aber irgendwie habe ich mir das ganze doch ein bisschen anders vorgestellt. Die Gebäude sind über die ganze Innenstadt verteilt und somit hat Yale überhaupt nichts mit den typischen amerikanischen Campus-Universitäten zu tun (Gilmore Girls hat hier eindeutig meine Erwartungen verzerrt).

Wiedersehen mit Anna

Ein Gebäude der berühmten Yale University

Nochmal Yale..


Erinnert ein bisschen an Hogwarts, oder?
Für Nicht-Studenten bleiben die Türen zum Innersten aber verschlossen (zumindest dieses Tor)
Wir hatten aber trotzdem unseren Spaß :)


Eigentlich wollten wir noch zum Strand und zu Annas Uni, der Southern Connecticut State University, aber leider hat dafür die Zeit nicht mehr gereicht. Hier gibt es zwar ein besseres öffentliches Verkehrsmittel-Netz, aber trotzdem braucht man ewig, um von A nach B zu kommen. Deshalb haben wir unsere Zeit lieber im Zentrum verbracht.

Hier gibt es ganz viele Eichhörnchen - ihr wisst ja, dass ich eine Schwäche für kleine süße flauschige Tierchen habe :)

Auch dieses Gebäude gehört - ihr habt es sicher schon erraten - zu Yale
Ein weiteres Highlight war das Mittagessen. Mehrere Leute haben mir, unabhängig voneinander, schon fast befohlen, dass ich in New Haven unbedingt Pepe's Pizza probieren soll. Die ist nämlich anscheinend die beste Pizza der ganzen Ostküste oder gar der ganzen USA. Und ich muss sagen, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Pizza war wirklich super lecker :) Was ich besonders toll fande war, dass es hier sogar auf der Karte Pizzen ohne Käse gibt! Könnt ihr euch vorstellen, dass es fast wie paradiesisch das für mich war, mal ohne Sonderwünsche bestellen zu können?

Meine Standardpizza gibts auch in den USA :)

Total übergessen, aber glücklich!
 Ansonsten waren meine letzten Tage ziemlich ruhig. Ich habe wie gesagt sehr viel für die Uni zu tun, auch wenn ich über das Niveau teilweise sehr überrascht bin. Wir wurden ja von mehreren Seiten "gewarnt", dass das Niveau niedriger ist als in Mannheim und der Arbeitsaufwand dafür umso höher, aber mit sowas habe ich dann doch nicht gerechnet. Ich war schon darüber irritiert, dass ich von einer Professorin freudig-erstaunt darauf angesprochen, dass ich mir Notizen zu den Texten gemacht habe. Aber in meinem Geschichtskurs bin ich dann wirklich vom Glauben abgefallen. Wir schreiben nämlich jede Stunde einen Test. Auf die Fragen soll man sich durch die Lektüre von Buchkapiteln vorbereiten. Ich habe also zur Vorbereitung auf den Test besagte Buchkapitel gelesen, Notizen gemacht und den Probetest ausgefüllt. Der Test in der Stunde dann war auch gut lösbar, aber ich muss sagen, dass ich ohne die Lektüre der Texte vermutlich nicht bestanden hätte. Nachdem wir den Test dann ausgefüllt haben, hat die Stunde richtig angefangen. Und siehe da - unsere Professorin hat nichts anderes gemacht, als nochmal den kompletten Inhalt der Texte zu wiederholen. Ich meine, was bringt das denn, wenn sowieso jeder den Text für die Tests (die zur Endnote zählen) gelesen haben muss? Ich war wirklich ein wenig verwirrt und bin mal gespannt, wie es weiter geht. Weil irgendwie finde ich es überflüssig, eine Stunde zu besuchen, die ich mir vorher schon selbst angeignet habe. Was mir an dem Unisystem hier aber wirklich gut gefällt, ist, wie hier mit den Studenten umgegangen wird. Die Professoren sind wirklich äußerst bemüht, jeden Stundenten so gut wie möglich zu unterstützen. Außerdem merkt man, wie sehr sie einem etwas beibringen wollen. Meine eine Professorin hat mich per E-Mail zu einem Kaffee eingeladen, weil sie hören wollte, wie es mir als Austauschstudentin hier so geht. Das hat mich wirklich überrascht, weil ich das so nicht kenne. Aber das trägt alles dazu bei, dass ich mich hier gut aufgehoben fühle. Natürlich habe ich aber auch viel Freizeit, in der ich meistens mit meinen Roommates oder Caroline, Laura und Angelika unterwegs bin.

Warten aufs Dinner mit Amanda und Alyssa
Das amerikanische Bier ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf :)
Es gibt im Moment aber eine Sache, mit der ich nicht ganz glücklich werde. Und das ist das Wetter beziehungsweise der Umgang mit dem Wetter. Die Luftfeuchtigkeit ist zwar endlich verschwunden und es ist auch wirklich nochmal schön sommerlich warm geworden, aber ich friere trotzdem konstant. Vor allem, wenn ich mich in Gebäuden aufhalte. Ich sitze hier meistens mit meinem Fleece, damit es mir wenigstens einigermaßen warm ist. Das liegt an der Aircondition, die hier irgendwie so gut wie nie ausgeschalten wird. Aber selbst wenn sie dann mal aus ist, kriegen wir unsere Zimmer nicht warm. Wir haben uns schon alles mögliche überlegt, aber die Dormregeln hier sind sehr streng, d.h. wir dürfen auch keinen externen Heater mitbringen oder so. Ich muss mir für den Winter auf jeden Fall noch eine Bettdecke und dicke Schlafsachen besorgen. Achja, was mich auch noch nervt ist die Dusche hier. Der Wasserdruck ist so schlecht, dass ich Ewigkeiten brauche, um Shampoo und Spülung aus den Haaren zu bekommen. Und oft wird das Wasser nur lauwarm.
Ansonsten geht es mir aber wirklich gut und ihr müsst euch keine Sorgen machen. Ich denke mir, wenn die Klimaanlage und die Dusche die größten Probleme hier sind, habe ich wirklich Glück :)

xxx,
Lisa

P.S. Zur Zeit hängen hier viele amerikanische Flaggen auf Halbmast - gibt es dafür einen Anlass? Irgendwie sind wir hier total von der Außenwelt abgeschnitten und bekommen überhaupt nichts mehr mit. Ich habe schon versucht zu googeln, aber ich kann nichts finden. Sind amerikanische Soldaten gefallen oder hat das eventuell was mit dem 11. Jahrestag von 9/11 nächste Woche zu tun? Falls mich irgendjemand aufklären kann, scheut euch nicht :)