heute hatte ich meinen ersten Unitag. Nachdem ich mir für ein kleines Vermögen Bücher geliehen habe (ich muss hier mal anmerken, dass wir in Mannheim mit unseren ganzen eingescannten PDFs wirklich verwöhnt werden), war ich ziemlich gespannt auf die Kurse. Insgesamt belege ich hier vier Kurse: Visual Communication, Intro into History of Film, Modern European History and National Parks & Unesco World Heritages. Hier in den USA ist es so, dass man jeden Kurs zwei Mal die Woche hat, aber dafür jedes Mal nur 70 Minuten. Heute hatte ich zwei Kurse, Visual Communication und Modern European History. Der Visual Communication Kurs hört sich super interessant an. Wir werden ein Projekt zum Thema Soldaten/Krieg machen und dafür müssen wir Kriegsveteranen interviewen und fotografieren. An sich eine ziemlich interessante Sache, aber 1. hab ich von der Thematik absolut überhaupt keine Ahnung und 2. weiß ich nicht, wo ich so einen Soldaten auftreiben soll. Naja, abwarten. Der Modern European History Kurs hört sich auch gut an, nur schreiben wir in jeder Stunde einen Test. In jeder Stunde!!! Und das zwei Mal die Woche!! Ich weiß noch nicht genau, wie ich das hinkriegen soll. Was mich ein bisschen schockiert hat, sind die Sicherheitsvorkehrungen in den neueren Gebäuden. Ich habe z.B. Unterricht in einem Raum, dessen Tür automatisch abgeschlossen wird, sobald sie schließt (und nur der Professor kann sie mit einem speziellen Code wieder öffnen) - so kann niemand von außen einfach so den Raum betreten. Dass das ziemlich unpraktisch ist, wenn mal jemand auf die Toilette muss, erklärt sich eigentlich von selbst. Außerdem sind alle Scheiben in den neueren Gebäuden aus Sicherheitsglas.
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| Unser erstes Assignment heute: ein "funny group picture" (die beiden neben mir sind Emily und Caroline aus Schweden) |
Was mir heute auch aufgefallen ist: ich bin eindeutig zu overdressed hier. Ich muss mir erst mal Jogginghosen zulegen, um hier nicht aufzufallen. Meine Mitbewohnerinnen bezeichnen alle meine Kleider als "fancy" und ein Outfit mit Statementkette ist grundsätzlich "dressed up" (auch wenn es nur eine Jeans mit Shirt ist).
Was ich auch komisch finde ist, dass es nur in der Mensa normales Geschirr gibt. Ansonsten bekommt man überall auf dem Campus nur Plastikteller und -besteck. Außer das betreffende Café (etc.) ist als umweltfreundlich gekennzeichnet - dann ist eben alles aus Papier. Als wir gestern Einkaufen gegangen sind, haben meine Mitbewohnerinnen ganz automatisch zu Plastikgeschirr gegriffen. Ich habe vorgeschlagen, dass wir auch einfach normales Geschirr holen können, aber das ist anscheinend zu unpraktisch, weil man das ja spülen muss. Lydi, ich weiß, du wirst die Krise kriegen, wenn du das hier liest, aber ich glaube mein ökologischer Fingerabdruck wird sich in dem halben Jahr rapide verschlechtern. Außerdem läuft hier den ganzen Tag die Klimaanlage. Sogar nachts. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ich davon krank werde. Aber andererseits ist es hier zur Zeit so schwül, dass ich eine Erkältung fast schon in Kauf nehmen würde. An eine andere Eigenheit der Amis habe ich mich schon gewöhnt. Es läuft einfach überall ein Fernseher. Egal ob im Taxi, in der Uni-Bib oder in der Mensa. Sogar im Supermarkt gibt es Bildschirme, auf denen meistens die Nachrichten laufen. Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass morgens mit den Kardashians aufzuwachen und abends beim ins Bett gehen Teenagern beim Kinderkriegen zuzuschauen.
Von diesen kleinen Eigentümlichkeiten abgesehen, gefällt es mir hier immer besser. Gestern haben wir Sachen für das Gemeinschaftsszimmer gekauft, das jetzt nicht mehr ganz so arg nach Gefängnis aussieht. Jetzt fühle ich mich sogar noch wohler :) Ein weiteres Highlight gestern war Alyssas Mama, die spontan vorbeigekommen ist, weil sie der Meinung war, dass mein Bett zu unbequem ist. Sie hat eine ganze Menge Padding und Matratzenschoner und was weiß ich was noch alles für mich gekauft und auf meine Matratze gepackt. Die ist jetzt gefühlt einen halben Meter dick und sooo weich. Aber das absolut beste gestern Abend war, dass ich mit allen meinen Roommates gestern Pretty Little Liars geschaut habe. Zum einen, weil ich die Episode endlich mal LIVE sehen konnte (und nicht erst einen Tag später) und danach auch noch Leute zum diskutieren hatte (was total super war, weil die Folge sehr schockierend war!).
Heute habe ich auch meinen Lieblingsplatz auf dem Campus gefunden: den Pool. Was für amerikanische Studenten völlig selbstverständlich ist, finde ich total abgefahren. Meine Mitbewohnerinnen fanden es total witzig, wie sehr ich mich gefreut habe, endlich mal wieder schwimmen gehen zu können. "Normale" Studenten (und damit meine ich Leute wie mich, von Bewegung nicht so besessen sind, um ein Sportstipendium zu bekommen) können den zwar nur abends benutzen, aber das ist immerhin besser als gar nicht.
Am Wochenende habe ich ein bisschen mehr Zeit und kann ein paar Fotos vom Campus für euch machen.
Bis dann!
xxx,
Lisa
P.S. Ich habe jetzt auch endlich eine Adresse:
Lisa Schell MS 4306
CCSU
1615 Stanley Street
New Britain, CT 06050
United States
Ich freue mich über Post von euch :)
