Mittwoch, 28. August 2013

Von irgendwo da draußen, ganz weit weg von hier.

Hallo ihr Lieben,

heute hatte ich meinen ersten Unitag. Nachdem ich mir für ein kleines Vermögen Bücher geliehen habe (ich muss hier mal anmerken, dass wir in Mannheim mit unseren ganzen eingescannten PDFs wirklich verwöhnt werden), war ich ziemlich gespannt auf die Kurse. Insgesamt belege ich hier vier Kurse: Visual Communication, Intro into History of Film, Modern European History and National Parks & Unesco World Heritages. Hier in den USA ist es so, dass man jeden Kurs zwei Mal die Woche hat, aber dafür jedes Mal nur 70 Minuten. Heute hatte ich zwei Kurse, Visual Communication und Modern European History. Der Visual Communication Kurs hört sich super interessant an. Wir werden ein Projekt zum Thema Soldaten/Krieg machen und dafür müssen wir Kriegsveteranen interviewen und fotografieren. An sich eine ziemlich interessante Sache, aber 1. hab ich von der Thematik absolut überhaupt keine Ahnung und 2. weiß ich nicht, wo ich so einen Soldaten auftreiben soll. Naja, abwarten. Der Modern European History Kurs hört sich auch gut an, nur schreiben wir in jeder Stunde einen Test. In jeder Stunde!!! Und das zwei Mal die Woche!! Ich weiß noch nicht genau, wie ich das hinkriegen soll. Was mich ein bisschen schockiert hat, sind die Sicherheitsvorkehrungen in den neueren Gebäuden. Ich habe z.B. Unterricht in einem Raum, dessen Tür automatisch abgeschlossen wird, sobald sie schließt (und nur der Professor kann sie mit einem speziellen Code wieder öffnen) - so kann niemand von außen einfach so den Raum betreten. Dass das ziemlich unpraktisch ist, wenn mal jemand auf die Toilette muss, erklärt sich eigentlich von selbst. Außerdem sind alle Scheiben in den neueren Gebäuden aus Sicherheitsglas.

Unser erstes Assignment heute: ein "funny group picture" (die beiden neben mir sind Emily und Caroline aus Schweden)

Was mir heute auch aufgefallen ist: ich bin eindeutig zu overdressed hier. Ich muss mir erst mal Jogginghosen zulegen, um hier nicht aufzufallen. Meine Mitbewohnerinnen bezeichnen alle meine Kleider als "fancy" und ein Outfit mit Statementkette ist grundsätzlich "dressed up" (auch wenn es nur eine Jeans mit Shirt ist).

Was ich auch komisch finde ist, dass es nur in der Mensa normales Geschirr gibt. Ansonsten bekommt man überall auf dem Campus nur Plastikteller und -besteck. Außer das betreffende Café (etc.) ist als umweltfreundlich gekennzeichnet - dann ist eben alles aus Papier. Als wir gestern Einkaufen gegangen sind, haben meine Mitbewohnerinnen ganz automatisch zu Plastikgeschirr gegriffen. Ich habe vorgeschlagen, dass wir auch einfach normales Geschirr holen können, aber das ist anscheinend zu unpraktisch, weil man das ja spülen muss. Lydi, ich weiß, du wirst die Krise kriegen, wenn du das hier liest, aber ich glaube mein ökologischer Fingerabdruck wird sich in dem halben Jahr rapide verschlechtern. Außerdem läuft hier den ganzen Tag die Klimaanlage. Sogar nachts. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ich davon krank werde. Aber andererseits ist es hier zur Zeit so schwül, dass ich eine Erkältung fast schon in Kauf nehmen würde. An eine andere Eigenheit der Amis habe ich mich schon gewöhnt. Es läuft einfach überall ein Fernseher. Egal ob im Taxi, in der Uni-Bib oder in der Mensa. Sogar im Supermarkt gibt es Bildschirme, auf denen meistens die Nachrichten laufen. Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass morgens mit den Kardashians aufzuwachen und abends beim ins Bett gehen Teenagern beim Kinderkriegen zuzuschauen.

Von diesen kleinen Eigentümlichkeiten abgesehen, gefällt es mir hier immer besser. Gestern haben wir Sachen für das Gemeinschaftsszimmer gekauft, das jetzt nicht mehr ganz so arg nach Gefängnis aussieht. Jetzt fühle ich mich sogar noch wohler :) Ein weiteres Highlight gestern war Alyssas Mama, die spontan vorbeigekommen ist, weil sie der Meinung war, dass mein Bett zu unbequem ist. Sie hat eine ganze Menge Padding und Matratzenschoner und was weiß ich was noch alles für mich gekauft und auf meine Matratze gepackt. Die ist jetzt gefühlt einen halben Meter dick und sooo weich. Aber das absolut beste gestern Abend war, dass ich mit allen meinen Roommates gestern Pretty Little Liars geschaut habe. Zum einen, weil ich die Episode endlich mal LIVE sehen konnte (und nicht erst einen Tag später) und danach auch noch Leute zum diskutieren hatte (was total super war, weil die Folge sehr schockierend war!).

Heute habe ich auch meinen Lieblingsplatz auf dem Campus gefunden: den Pool. Was für  amerikanische Studenten völlig selbstverständlich ist, finde ich total abgefahren. Meine Mitbewohnerinnen fanden es total witzig, wie sehr ich mich gefreut habe, endlich mal wieder schwimmen gehen zu können. "Normale" Studenten (und damit meine ich Leute wie mich, von Bewegung nicht so besessen sind, um ein Sportstipendium zu bekommen) können den zwar nur abends benutzen, aber das ist immerhin besser als gar nicht.

Am Wochenende habe ich ein bisschen mehr Zeit und kann ein paar Fotos vom Campus für euch machen.

Bis dann!
xxx,
Lisa



P.S. Ich habe jetzt auch endlich eine Adresse:

Lisa Schell MS 4306
CCSU
1615 Stanley Street
New Britain, CT 06050
United States

Ich freue mich über Post von euch :)

Montag, 26. August 2013

Start with a dream, finish with a future.

Hallo ihr Lieben,

ich hab es geschafft :) Der Flug gestern hat zwar neun Stunden gedauert, aber dank dem unterhaltsamen Filmangebot an Bord ist die Zeit relativ schnell rumgegangen. Sogar das Essen war lecker (unter anderem gab es nochmal was typisch Deutsches - Weißwürste mit Laugenbrötchen). 
 
Unsere letzten Momente in Deutschland


Zur Einstimmung auf New York gabs Sex and the City im Flieger


Obwohl wir mit Verspätung gestartet sind, sind wir früher als geplant am John F. Kennedy Airport in New York City gelandet. Anna und ich haben dann einen kleinen Sprint durch den Ankunftsbereich hingelegt, um vor den anderen Passagieren einreisen zu können. Und das hat sich gelohnt - wir haben nur ungefähr eine halbe Stunde warten müssen (wir haben vorher Horrorgeschichten über die langen Wartezeiten gehört und ein Austauschstudent an meiner Uni musste fünf (!) Stunden warten, bis er endlich eingereist war). Die Einreisebeamtin war zwar wortkarg und fande meine pinke Passhülle doof, aber sie hat mich, ohne weitere Fragen zu stellen, einreisen lassen. Als wir dann auch noch alle unsere Koffer wieder hatten, ist uns wirklich ein Stein vom Herzen gefallen. Danach haben wir uns gleich eins dieser typischen gelben New Yorker Taxis nach Manhatten genommen. Während ich da im Taxi saß, konnte ich es kaum glauben, dass ich wirklich in New York bin. Seit ich mich erinnern kann, wollte ich schon immer mal nach New York. Und dann ist man auf einmal da (okaaay, so überraschend kam das jetzt ja nicht, aber trotzdem war ich total überwältigt). Als wir dann nach Manhattan reingefahren sind, hab ich total Gänsehaut bekommen. Vor lauter Faszination habe ich leider vergessen, Fotos zu machen, aber das hole ich bald nach. Aber grundsätzlich kann man eigentlich sagen, dass Manhattan eigentlich genau so aussieht wie in Gossip Girl. Ich glaube, ich habe noch nie so hohe Gebäude gesehen. Leider hatte ich nicht viel Zeit, mich in New York umzuschauen, weil ich meinen Bus nach Hartford erwischen musste. Das hat auch problemlos funktioniert. Alle Leute in der Port Authority Bus Terminal waren wirklich sehr freundlich und hilfsbereit, so ganz New York untypisch. Der Bus hatte wegen technischen Problemen ein bisschen Verspätung, aber um kurz nach 7 war ich dann in Hartford. Mit dem Taxi bin ich dann nochmal 15 Minuten zur Uni gefahren – der Taxifahrer war ebenfalls total nett und hat (ohne sich das bezahlen zu lassen) sich extra Zeit genommen um sicherzustellen, dass ich auch genau da lande, wo ich hin muss.
Im Wohnheim angekommen, wurde ich schon sehnsüchtig von meinem Roommate Alyssa empfangen. Und auch meine anderen Mitbewohnerinnen haben mich sehr herzlich empfangen. Ich wurde auch gleich in die Willkommensspiele des Wohnheims eingebunden, worauf ich nach fast 22 Stunden Reise eher weniger Lust hatte, aber was dann im Endeffekt doch lustig war (ganz nach unserem altbekannten Motto “Nach müde kommt blöd”). Nach den Spielen hat Alyssa mir das Zimmer gezeigt, in dem ich für die nächsten vier Monate zusammen mit ihr leben werde. Und ich war äußerst positiv überrascht: Zum einen hat Alyssa einen sehr guten Geschmack und hat es geschafft, das sterile Zimmer mit ein paar dezenten Accessoires total gemütlich zu machen (ich habe bisher zwar nur ein paar andere Zimmer gesehen, aber unseres ist mit Abstand das am schönsten eingerichtete – ich habe das Gefühl, dass Amerikaner irgendwie auf grelle Farben und kitschiges Zeug stehen). Zum anderen habe ich hier SO VIEL PLATZ. Ich hab gar nicht so viel Zeug, um die Schränke zu füllen. Und ich habe einen kleinen BEGEHBAREN Kleiderschrank – was kann es besseres geben? Ich habe mir das Zimmer auch viel kleiner vorgestellt. Zwar brauche ich noch ein paar kleinere Sachen für das Zimmer, aber im großen und ganzen kann man hier sicher gut leben :) Insgesamt wohnen in der WG im Studentenwohnheim noch vier andere Mädels: Kelly und Sarah teilen sich das zweite Zimmer und im dritten Zimmer wohnen Amanda und Jessica. Nach über 24 Stunden ohne richtigen Schlaf bin ich dann aber relativ früh ins Bett gegangen (das überraschend bequem ist, weil Alyssas Mama mir eine Matratzenauflage mitgebracht hat).

Unsere Suite-Türe (ich bin der Pirat)

Die rechte Seite gehört Alyssa, die linke mir. Morgen besorge ich erst mal passendes Bettzeug :)

Die Kleiderschränke von außen...

... und von innen - hier gibts noch vieeeel Platz für Schuhe!

Mein Reich
 
Unser 7. Mitbewohner: Amandas Fisch Tiger (Fische sind die einzigen erlaubten Haustiere hier)


Heute morgen hat sich der Jetlag dann bemerkbar gemacht – ich bin ständig aufgewacht und habe um halb 7 dann beschlossen aufzustehen. Um halb 9 gab es ein Treffen für alle International Students, wo ich Angelika und Laura, die anderen beiden Studentinnen des Baden Württemberg-Connecticut-Programms wieder gesehen habe. Der Tag war eigentlich ganz okay, nur ein bisschen anstrengend. Außerdem haben wir mehrere Vorträge zum Thema Alkohol bekommen, was irgendwann leicht genervt hat. Die Grundbotschaft war eigentlich “Trinkt nicht, sonst sterbt ihr und wenn ihr nicht sterbt, werdet ihr von der Uni geschmissen und müsst dazu noch ein kleines Vermögen Strafe bezahlen". Ich weiß nicht, aber irgendwie trauen uns die Leute von der Uni keinen gesunden Menschenverstand zu. Wir haben auch eine Campustour bekommen, die wirklich nötig war, weil der Campus eigentlich eine eigene Stadt ist. Hier gibt es alles, was man so zum Leben braucht: Zwei Mensen, mehrere Cafés und Fast Food Ketten (Starbucks, Subway usw.), ein Krankenhaus, eine Campus-Polizei, ein Schwimmbad, mehrere Fitnesscenter und Spielfelder, ungefähr 10 Studentenwohnheime, eine Bibliothek, Grünflächen, Verwaltungs- und Unterrichtsgebäude und so weiter. Ich bin mal gespannt, ob ich mich hier irgendwann auch ohne Campusplan bewegen kann. Danach waren wir noch im Campus-Shop, wo ich mir ein Uni-Sweatshirt gekauft und meine Bücher abgeholt habe. Leider gibt es hier nicht wie in Mannheim die Möglichkeit, alle Texte online zu bekommen. Deshalb leihe ich mir die Bücher, was trotzdem noch eine Stange Geld kostet. 



Abends haben Alyssa, Kelly, Sarah, Amanda und Jessica die deutschen Süßigkeiten probiert, die ich ihnen mitgebracht habe. Meine Mitbewohnerinnen waren begeistert davon. Am besten kamen die Cola-Schnüre und das Esspapier an. Alyssa ist übrigens die Blonde auf dem ersten Foto:





Gerade waren wir noch bei Starbucks, aber es hat so geregnet, dass wir total durchnässt wieder in der Residence Hall angekommen sind. Morgen gehen wir dann zu Target und kaufen die Sachen, die ich noch brauche. Gott sei Dank haben drei meiner Mitbewohnerinnen ein Auto. Und ich habe heute einen Buspass bekommen, mit dem ich bis Dezember kostenlos mit allen Connecticut-Bussen fahren kann. Ich muss mal noch rausfinden, was das genau bedeutet und wie weit ich damit komme. Am Mittwoch fängt dann die Uni wirklich an.
xxx,
Lisa

Samstag, 24. August 2013

Weißes Rauschen - es ist so ein langer Weg.

Hallo ihr Lieben,

dass ihr hier gelandet seid, freut mich. Ich habe vor, meine Auslandsaufenthalt hier für euch (und mich) zu dokumentieren, damit ihr (falls es euch interessiert) immer mal wieder nachschauen könnt, was ich aktuell so treibe.

Nach über einem Jahr Vorbereitung ist es endlich soweit: Morgen um 10.20 Uhr werden Anna, eine Freundin von mir, und ich in die USA fliegen. Dann heißt es Tschüss Deutschland, Hallo USA. Ich kann es kaum glauben, dass es endlich losgeht. Die Koffer sind gepackt (auch wenn ich mich gerade frage, wie ich den ganzen Kram mogen durch halb New York schleifen soll, aber darüber mache ich mir dann Gedanken, wenn es soweit ist).

Ich werde - 6138 Kilometer von zu Hause entfernt - vier Monate an der Central Connecticut State University in New Britain studieren. Danach werde ich mit Anna noch einen Monat durch die Staaten reisen. In den letzten Tagen habe ich die Zeit zuhause nochmal ausgiebig genossen und mich von allen verabschiedet. Aber jetzt bin ich bereit und kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht!

Ein letztes Gruppenbild mit den Mädels von Zuhause (und Leo und Paula, unseren Schildkröten)
Tschüss Mannheim!

Abschiedsdinner mit der ganzen Familie

Ich werde euch alle schrecklich vermissen. Lasst ab und zu was von euch hören (hier gibt es schließlich nicht umsonst eine Kommentarfunktion). Bis bald!

xxx
Lisa