heute möchte ich euch ein bisschen was über das Essen hier erzählen. Ich lebe hier ja im Studentenwohnheim und deshalb musste ich mir einen sogenannten Meal-Plan kaufen. Im Grunde genommen bedeutet das, dass ich in der Mensa für das ganze Semester All-you-can-eat habe. Wir haben hier zwar auch die Möglichkeit zu kochen, aber zum einen habe ich Angst, mir irgendeine Krankheit zu holen, wenn ich in der Küche hier koche, weil die wirklich eklig ist und zum anderen sind die Lebensmittel hier wirklich unglaublich teuer. Ich war heute einkaufen und mich hat fast der Schlag getroffen (und ich verstehe jetzt, warum mein Meal-Plan so teuer ist). Ein normaler Salatkopf kostet hier fast 4$, ein kleines Glas Nutella fast 8$ und auch für alle anderen Lebensmittel muss man hier ein kleines Vermögen hinlegen. Von daher - kein selbstgekochtes Essen für mich.
Die Mensa macht morgens um 7.30 Uhr auf und abends um 9 Uhr zu, am Wochenende sogar schon um 7.30 Uhr. Das war wirklich die erste Umstellung, was das Essen hier betrifft, weil ich in Mannheim oft erst um 9 oder um 10 abends gegessen habe. Hier gehen wir jetzt meistens spätestens um 7 essen. Ich hab dann zwar um 10 meistens wieder Hunger, aber ich hoffe, dass ich mich in den nächsten Wochen an die Essenszeiten gewöhnen werde.
Das Frühstück ist mein kleines Highlight morgens. Es gibt nämlich so ziemlich alles, was das Herz begehrt - Pancakes (an guten Tagen sogar mit Schokostückchen), French Toast, Waffeln, Bacon, Rührei, Bagels, Müsli in allen Variationen, Würstchen, Süßstückchen, eine Omelettebar, an der man sich sein persönliches Omelett nach eigenen Wünschen frisch zubereiten lassen kann (die ist mir morgens aber meistens zu voll) usw. Das Beste am Frühstück sind allerdings die Früchte: es gibt ungefähr fünf verschiedene Sorten an Melonen (ich wusste nicht mal, dass es überhaupt so viel unterschiedliche Melonensorten gibt) und Ananas, aber auch Äpfel, Bananen und so anderes Standartzeugs. Bei den Amis ist das Obst allerdings nicht so beliebt (es wird gerne auch als unreal food bezeichnet), sodass ich, selbst wenn ich relativ spät zum Frühstück gehe, noch die volle Auswahl habe. Es gibt sogar frischen Orangensaft, aber auch Kaffee, Tee, Kaba und so weiter. Was ich auch gut finde ist, dass das Frühstück jeden Tag ein bisschen anders ist als am Tag davor und einem so nie langweilig wird. Obwohl ich eigentlich kein Frühstücksmensch bin, bin ich ein großer Fan des CCSU-Frühstücks :)
Beim Mittagessen und beim Abendessen sieht es da schon anders aus. Ich esse eigentlich jeden Tag Burger, Sandwiches, Pommes oder Wraps. Was total toll ist: die Wraps und Sandwiches kann man sich wie bei Subway individuell zusammenstellen lassen und es gibt sogar Vollkornbaguette. Auch bei den Burgern kann man zwischen Hühnchen-, Truthahn- und Rindfleischpatty variieren. Trotzdem wird das auch irgendwann langweilig. Zwar gibt sich die CCSU schon Mühe, jeden Tag Abwechslung in den Speiseplan zu bringen (es gibt auch immer ein veganes und ein internationales Gericht), aber die schmecken eher bescheiden. Es gibt auch immer eine große Auswahl an Pizzen, aber da ich ja kein Käse esse, fällt das für mich weg. An der Nudelbar sind die Nudeln zu 85 Prozent auch mit Käse überbacken und wenn sie das einmal nicht sind, sind sie total verkocht. Auch die Gemüsebeilagen sind immer total geschmacklos (im Sinne von sie schmecken nach nichts ;) ). Die einzige Hoffnung: die Salatbar. Hier gibt es zum einen Abwechslung, zum anderen sehen die Sachen immer gesund und frisch aus. Manchmal gibt es sogar Shrimps oder Kichererbsen als Beilage. Ich habe jetzt auch endlich ein Dressing gefunden, das mir schmeckt. Ich werde mich zwar nicht vier Monate lang nur von Salat ernähren können, aber zumindest kann ich so zum Dinner das andere, fettige Essen umgehen. Was mich wirklich überrascht ist, dass hier so viel "frisch" (also im Sinne von extra für einen zubereitet) gemacht wird. Da hat man dann immer einen Einfluss auf das Essen, wenn man etwas nicht mag - wie ich zum Beispiel Käse.
| "Healthy" American Chicken Burger |
| Bester Nachtisch ever |
Was ich toll finde, ist die große Auswahl der Getränke. Ich variiere zwar nur zwischen O-Saft, Wasser und Diet Coke, aber jeder Softgetränkeliebhaber würde hier das Paradies auf Erden finden. Es gibt so ziemlich alles von Coca Cola (auch außergewöhnlichere Sorten wie Cherry oder Vanilla Coke), Dr. Pepper, Powerrade und irgendwelche Getränke mit komischen Farben. Es gibt insgesamt vier verschiedene Sorten Kaffee, mehrere Sorten Tee, Vanillekaba und normalen Kaba, mehrere Säfte (darunter auch Cranberryjuice, leider aber kein Kirschsaft). Allerdings kann ich jetzt auch nachvollziehen, warum hier viele so dick sind: Wasser wird eigentlich gar nicht getrunken, sondern immer nur Softgetränke (und das dann meistens eben nicht in der diet-Version). Und laut Health-Center hier kann da ein Becher alleine schon mal locker 200 bis 300 Kalorien haben. Ich hoffe, ich gewöhne mich bald an die Temperatur der Getränke. Mir tun vor lauter Kälte nämlich ständig die Zähne weh. Wenn ich dann noch sehe, wie sich alle anderen auch noch Eiswürfel in ihre Becher kippen, bin ich immer wieder erstaunt.
Außer der Mensa gibt es auf dem Campus aber auch noch andere Sachen, bei denen man Essen kann, z.B. einen eigenen Starbucks, einen eigenen Subway, einen Sandwichladen und einen Grill. Dunkin Donuts, Dominos-Pizza und ein Asia-Imbiss sind direkt auf der anderen Straßenseite, wo wir mit unserem Studentenausweis sogar noch 20% Rabatt kriegen.
Ein paar Sachen fallen mir beim Essen immer wieder auf. Zum einen werde ich oft ausgelacht, weil ich mit Messer und Gabel esse. Hier tut das irgendwie niemand und meine Mitbewohnerinnen amüsieren sich immer köstlich, wenn ich meine Pommes mit der Gabel esse. Apropos Pommes: die sind hier ungesalzen, was ich nach wie vor komisch finde. Zum anderen wird hier unglaublich viel Essen weggeschmissen. Die Leute häufen sich die Teller (ja, Plural! Es kommt nicht selten vor, dass ich Leute mit zwei oder mehreren Tellern in der Mensa sehe) voll mit Essen und schmeißen dann die Hälfte oder mehr ohne schlechtes Gewissen (so wirkt es zumindest) weg. Selbst meine Mitbewohnerinnen werfen oft die Hälfte ihrer Portion weg. Ich habe auch schon meinen Teller nicht leer essen können, weil im Restaurant so riesige Portionen serviert werden, dass die ein normaler Mensch gar nicht essen kann. Aber ich verstehe nicht so ganz, warum man, wenn man selbst Einfluss auf seine Portion hat, sich den Teller so vollläd, nur um dann alles wegzuschmeißen. Welches Vorurteil sich leider total bestätigt: hier gibt es kein Brot. Weder in der Mensa (wo Bagels oder datschiges Weißbrot das allerhöchste der Gefühle sind), noch im Supermarkt. Ich habe mit meinen Mitbewohnerinnen mein gutes deutsches Vollkornbrot geteilt, aber das ist nicht so gut angekommen. Das schmeckt ihrer Meinung nämlich zu healthy und weird.
Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die kulinarische Kultur hier drüben vermitteln :)
xxx,
Lisa
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