Sonntag, 8. September 2013

Der Himmel ist blau und der Rest deines Lebens liegt vor dir.

Hallo ihr Lieben,

bei schönstem Wetter habe ich heute endlich einmal einen Ausflug gemacht. Zwar ging es nur ungefähr 50 Kilometer in den Süden, aber ich bin ziemlich froh, mal von dem Campus runtergekommen zu sein (nicht, dass es mir hier nicht gefällt, es war nur schön, nach zwei Wochen mal etwas anderes zu sehen). Ich habe nämlich Anna in New Haven besucht. Zusammen mit Angelika war ich nur ungefähr 40 Minuten mit dem Greyhound (sowas wie der amerikanische MeinFernbus) unterwegs. New Haven ist sehr hübsch, was vor allem daran liegt, dass die Innenstadt von der Eliteuni Yale dominiert wird. Zwar gibt es in New Haven auch ein paar zwielichte Ecken (mehrere Connecicutianer - oder wie nennt man die Einheimischen aus Connecticut? - haben mich vor New Haven gewarnt), aber bei strahlendem Sonnenschein haben wir davon zum Glück nichts bemerkt. Das Angsteinflösenste an dem Tag war die Ampel, die mich beinahe angeschrien hat, um mir in einem äußerst uncharmenten Ton befohlen hat, doch bitte auf das Zeichen für das Überqueren der Straße zu warten. Ansonsten hatten wir einen sehr schönen Tag. Wir sind durch die Innenstadt gebummelt, haben ein bisschen geshoppt und uns einen leckeren Frozen Yoghurt gegönnt. Yale hat mir gut gefallen, aber irgendwie habe ich mir das ganze doch ein bisschen anders vorgestellt. Die Gebäude sind über die ganze Innenstadt verteilt und somit hat Yale überhaupt nichts mit den typischen amerikanischen Campus-Universitäten zu tun (Gilmore Girls hat hier eindeutig meine Erwartungen verzerrt).

Wiedersehen mit Anna

Ein Gebäude der berühmten Yale University

Nochmal Yale..


Erinnert ein bisschen an Hogwarts, oder?
Für Nicht-Studenten bleiben die Türen zum Innersten aber verschlossen (zumindest dieses Tor)
Wir hatten aber trotzdem unseren Spaß :)


Eigentlich wollten wir noch zum Strand und zu Annas Uni, der Southern Connecticut State University, aber leider hat dafür die Zeit nicht mehr gereicht. Hier gibt es zwar ein besseres öffentliches Verkehrsmittel-Netz, aber trotzdem braucht man ewig, um von A nach B zu kommen. Deshalb haben wir unsere Zeit lieber im Zentrum verbracht.

Hier gibt es ganz viele Eichhörnchen - ihr wisst ja, dass ich eine Schwäche für kleine süße flauschige Tierchen habe :)

Auch dieses Gebäude gehört - ihr habt es sicher schon erraten - zu Yale
Ein weiteres Highlight war das Mittagessen. Mehrere Leute haben mir, unabhängig voneinander, schon fast befohlen, dass ich in New Haven unbedingt Pepe's Pizza probieren soll. Die ist nämlich anscheinend die beste Pizza der ganzen Ostküste oder gar der ganzen USA. Und ich muss sagen, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Pizza war wirklich super lecker :) Was ich besonders toll fande war, dass es hier sogar auf der Karte Pizzen ohne Käse gibt! Könnt ihr euch vorstellen, dass es fast wie paradiesisch das für mich war, mal ohne Sonderwünsche bestellen zu können?

Meine Standardpizza gibts auch in den USA :)

Total übergessen, aber glücklich!
 Ansonsten waren meine letzten Tage ziemlich ruhig. Ich habe wie gesagt sehr viel für die Uni zu tun, auch wenn ich über das Niveau teilweise sehr überrascht bin. Wir wurden ja von mehreren Seiten "gewarnt", dass das Niveau niedriger ist als in Mannheim und der Arbeitsaufwand dafür umso höher, aber mit sowas habe ich dann doch nicht gerechnet. Ich war schon darüber irritiert, dass ich von einer Professorin freudig-erstaunt darauf angesprochen, dass ich mir Notizen zu den Texten gemacht habe. Aber in meinem Geschichtskurs bin ich dann wirklich vom Glauben abgefallen. Wir schreiben nämlich jede Stunde einen Test. Auf die Fragen soll man sich durch die Lektüre von Buchkapiteln vorbereiten. Ich habe also zur Vorbereitung auf den Test besagte Buchkapitel gelesen, Notizen gemacht und den Probetest ausgefüllt. Der Test in der Stunde dann war auch gut lösbar, aber ich muss sagen, dass ich ohne die Lektüre der Texte vermutlich nicht bestanden hätte. Nachdem wir den Test dann ausgefüllt haben, hat die Stunde richtig angefangen. Und siehe da - unsere Professorin hat nichts anderes gemacht, als nochmal den kompletten Inhalt der Texte zu wiederholen. Ich meine, was bringt das denn, wenn sowieso jeder den Text für die Tests (die zur Endnote zählen) gelesen haben muss? Ich war wirklich ein wenig verwirrt und bin mal gespannt, wie es weiter geht. Weil irgendwie finde ich es überflüssig, eine Stunde zu besuchen, die ich mir vorher schon selbst angeignet habe. Was mir an dem Unisystem hier aber wirklich gut gefällt, ist, wie hier mit den Studenten umgegangen wird. Die Professoren sind wirklich äußerst bemüht, jeden Stundenten so gut wie möglich zu unterstützen. Außerdem merkt man, wie sehr sie einem etwas beibringen wollen. Meine eine Professorin hat mich per E-Mail zu einem Kaffee eingeladen, weil sie hören wollte, wie es mir als Austauschstudentin hier so geht. Das hat mich wirklich überrascht, weil ich das so nicht kenne. Aber das trägt alles dazu bei, dass ich mich hier gut aufgehoben fühle. Natürlich habe ich aber auch viel Freizeit, in der ich meistens mit meinen Roommates oder Caroline, Laura und Angelika unterwegs bin.

Warten aufs Dinner mit Amanda und Alyssa
Das amerikanische Bier ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf :)
Es gibt im Moment aber eine Sache, mit der ich nicht ganz glücklich werde. Und das ist das Wetter beziehungsweise der Umgang mit dem Wetter. Die Luftfeuchtigkeit ist zwar endlich verschwunden und es ist auch wirklich nochmal schön sommerlich warm geworden, aber ich friere trotzdem konstant. Vor allem, wenn ich mich in Gebäuden aufhalte. Ich sitze hier meistens mit meinem Fleece, damit es mir wenigstens einigermaßen warm ist. Das liegt an der Aircondition, die hier irgendwie so gut wie nie ausgeschalten wird. Aber selbst wenn sie dann mal aus ist, kriegen wir unsere Zimmer nicht warm. Wir haben uns schon alles mögliche überlegt, aber die Dormregeln hier sind sehr streng, d.h. wir dürfen auch keinen externen Heater mitbringen oder so. Ich muss mir für den Winter auf jeden Fall noch eine Bettdecke und dicke Schlafsachen besorgen. Achja, was mich auch noch nervt ist die Dusche hier. Der Wasserdruck ist so schlecht, dass ich Ewigkeiten brauche, um Shampoo und Spülung aus den Haaren zu bekommen. Und oft wird das Wasser nur lauwarm.
Ansonsten geht es mir aber wirklich gut und ihr müsst euch keine Sorgen machen. Ich denke mir, wenn die Klimaanlage und die Dusche die größten Probleme hier sind, habe ich wirklich Glück :)

xxx,
Lisa

P.S. Zur Zeit hängen hier viele amerikanische Flaggen auf Halbmast - gibt es dafür einen Anlass? Irgendwie sind wir hier total von der Außenwelt abgeschnitten und bekommen überhaupt nichts mehr mit. Ich habe schon versucht zu googeln, aber ich kann nichts finden. Sind amerikanische Soldaten gefallen oder hat das eventuell was mit dem 11. Jahrestag von 9/11 nächste Woche zu tun? Falls mich irgendjemand aufklären kann, scheut euch nicht :)

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